Polnische Hochzeit 2021 – Erste Aufführung in der Schweiz seit 1939

Der BernerSommerOperette ging es wie so vielen Kulturschaffenden in der Covid-19-Pandemie: Schweren Herzens mussten wir die für Herbst 2020 angesetzte Produktion «Der Zigeunerbaron» auf September 2022 verschieben.

Um die Wartezeit zu verkürzen, hat sich die BernerSommerOperette entschieden im September 2021 eine angepasste Operettenproduktion auf die Bühne zu bringen: drei konzertante Aufführungen der «Polnischen Hochzeit» von Joseph Beer (1908-1987). Konzertant, weil wir bei diesem weitgehend unbekannten Werk den Fokus voll und ganz auf die Musik legen wollen!

Wir werden die Musik eines Werkes hören, das nach seiner Erstaufführung am Züricher Stadttheater 1937 innerhalb kürzester Zeit in 8 Sprachen übersetzt und auf 40 europäischen Bühnen gespielt wurde. Doch aufgrund seiner jüdischen Herkunft wurde der Stern des Komponisten Joseph Beer bereits am Vorabend des zweiten Weltkrieges jäh zum Untergang gebracht.

Umso mehr freut sich die BernerSommerOperette darauf, das Berner Publikum mit diesem musikalischen Feuerwerk mit Ohrwurm-Potential bekannt zu machen! .

Spieldaten:

4. September 2021, 19.30 Uhr
10. September 2021, 19.30 Uhr
12. September 2021, 16.00 Uhr

Aufführungsort: Sternensaal in Bümpliz, Bümplizstrasse 119, 3018 Bern

Spieldauer:  1 Stunde 40 Minuten (ohne Pause)

Eintrittspreise: CHF 65 / mit Sichteinschränkung CHF 25
Kinder, Jugendliche und Studenten CHF 25

Handlung

Der junge polnische Freiheitskämpfer Boleslav passiert als Diener verkleidet die österreichisch-russische Grenze, um in der Heimat seine Jugendliebe Jadja, die Tochter des Barons und Gutsbesitzers zu heiraten und sein Erbe anzutreten. Doch Jadja soll mit Boleslavs Onkel, Graf Staschek, der bereits fünf Mal verheiratet war, gegen ihren Willen verheiratet werden.
Boleslav gibt sich zu erkennen und möchte Erbe und Jadja für sich. Sein Onkel aber droht, ihn an die Polizei zu verraten und so sieht sich Jadja gezwungen, um ihren Liebsten zu schützen, in die Heirat einzuwilligen.
ch es kommt anders, als man denkt – und wie immer bei Operetten – doch am Ende wieder gut: Suza, die schlaue Gutsverwalterin, plant die chaotischen Hochzeitsvorbereitungen zu nutzen, um den Liebenden zur Flucht zu verhelfen. Doch auch das geht schief und Jadja muss nun den Grafen heiraten…oder doch nicht?!
Ein heruntergekommener Gutshof im Polen des Jahres 1830, ein reicher Fürst, ein junger Freiheitskämpfer, eine falsche Braut, eine schlaue Dienerin, Verwicklungen, Verwechslungen, Liebe und furiose Wortgefechte sind die Zutaten für die «Polnische Hochzeit» von Joseph Beer.
Joseph Beer gelang es, selbst in den immer dunkler werdenden Zeiten kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges ein hell funkelndes Theaterjuwel zu schaffen. Ob die naive Ausgelassenheit und Glückseligkeit im Werk des damals erst 29-Jährigen dem puren Eskapismus dienten oder ein bewusstes letztes Aufbäumen ist gegen das, was da kommen würde, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen.
Stilistisch ist die Polnische Hochzeit ein klassischer Operetten-Schmachtfetzen im besten Sinne: Opernhafte Passagen á la Lehár treffen auf träumerische Arien und Duette wie von Kálmán und werden abgerundet durch swingende und folkloristische Elemente, wie bei Abraham. Ein Ohrwurm reiht sich an den nächsten, die Melodien sind süffig und laden zum Mitwippen und Mitsummen ein. Ganz wie es sich für eine klassische Operette gehört, sind zudem die Texte eher seicht und die Handlung immer etwas verworren.

Komponist

Geboren 1908 als polnischer Jude in Grodék bei Lemberg in der heutigen Ukraine, begann Joseph Beer bereits mit dreizehn Jahren regelmäßig zu komponieren und besuchte noch während des Gymnasiums das Konservatorium..

Nach dem Studium begann er seine Laufbahn als Dirigent. Er konnte bald den berühmten Librettisten Fritz Löhner-Beda als Agenten für seine Kompositionen gewinnen. In Zusammenarbeit mit diesem und Ludwig Herzer entstand die erste Operette «Der Prinz von Schiras» (1934). Das Stück wurde ein großer Erfolg und ging nach seiner Uraufführung in Zürich in ganz Europa und Südamerika auf weitreichende Tourneen. Der Grundstein für eine erfolgreiche Karriere als Operettenkomponist war gelegt.
Seine zweite Operette «Polnische Hochzeit» zu einem Libretto von Alfred Grünwald und Fritz Löhner-Beda erlangte 1937 bei ihrer Premiere, ebenfalls in Zürich, noch größeren Erfolg. Das Werk wurde anschließend auf 40 Bühnen aufgeführt und in acht Sprachen übersetzt. Mit nur 28 Jahren wurde Beer als Shootingstar der Operettenszene gefeiert
Das Theater an der Wien plante eine Premiere mit Richard Tauber in der Hauptrolle. Doch dazu sollte es nicht mehr kommen: Durch den Anschluss Österreichs an Nazideutschland 1938 wurde das gesamte Werk des jüdischen Komponisten verboten. Beers Librettist Fritz Löhner-Beda wurde nach Dachau deportiert und eine geplante Premiere in Paris wurde abgesagt, rettete dem Komponisten aber das Leben. Denn der Direktor des Théâtre du Châtelet ermöglichte Beer die Flucht nach Paris, von wo aus er in die USA emigrieren wollte, aber nur bis Nizza kam, wo er die Kriegsjahre in verschiedenen Verstecken überlebte.
Kein Wunder, dass der Komponist sich von diesen Traumata nie mehr wirklich erholte. Zwar hatte der Exilant noch die Kraft gehabt, unter dem Decknamen Jean-Joseph Bérard in Paris und Nizza ohne Hilfe eines Klaviers diverse Orchesterstücke oder seine Commedia dell’Arte-Oper «Stradella in Venedig» (UA 1949 in Zürich) zu schreiben und einige Jahre später, 1966, erlangte er den Doktorgrad in Musikwissenschaften an der Sorbonne in Paris. Angewidert jedoch vom Umstand, dass in der Musikwelt kaum eine Entnazifizierung stattgefunden hatte, zog er sich immer mehr zurück. Er wurde verschlossen und war zutiefst betroffen vom Tod seiner Freunde wie seinem Librettisten Löhner-Beda und seinen Eltern und Schwester, die in Ausschwitz umgekommen waren. Er verweigerte forthin die Aufführungsrechte an seinen früheren Werken. (Dennoch wurde «Polnische Hochzeit» in Skandinavien bis 1982 ohne seine Mitarbeit oder Zustimmung aufgeführt, oft unter dem Titel «Masurkka».) Zudem lehnte er etliche Aufträge und Posten ab und lebte mit seiner Frau Hanna und seinen zwei Töchtern zurückgezogen vom Glanz der Bühnen an der Côte d’Azur.
Beer verbrachte den Großteil der Zeit bis zu seinem Tode 1987 an Revisionen seiner früheren Werke; zwei neue Kompositionen waren die Singspiele «Die Polin von Napoleon» (La Polonaise) (1977) und «Mitternachtssonne» (1987).
2011 gab die Familie die Aufführungsrechte frei und Beers Töchter stimmten einer österreichischen Erstaufführung der «Polnischen Hochzeit» beim Wiener Operettensommer 2012 zu. Und so kommt es im September 2021 zur Berner Erstaufführung – bzw. zur ersten Aufführung in der Schweiz seit dem Zweiten Weltkrieg.

Die «Polnische Hochzeit»: Eine üppige Melange aus Operette und Musical, Mazurka und Walzer, Klezmer und Jazz à la Broadway, Sauflied und Spottlied und einigem mehr!

Solistinnen und Solisten

Martin Schurr

Martin Schurr

Conférencier

Viele Wege führen auf die Bretter, die die Welt bedeuten: Martin Schurrs Weg begann mit einem Sportstudium mit anschliessender Lehrtätigkeit. Danach absolvierte Schurr ein Tanzstudium (klassisches Ballett, Jazz, Moderner Tanz, Flamenco) und hatte Engagements an Theatern in Pforzheim, Münster, Gießen, Freiburg und Bonn. Seit 2000, nach Beendigung seiner aktiven Zeit als Tänzer, ist er immer öfters als Schauspieler, Choreograph und Regisseur tätig. Seine besondere Liebe gilt der Komödie und der Revue, was ihn in die Schweiz ans Theater Fauteuil in Basel geführt hat und an die Hochschule für Musik in Maastricht. 2018 hat Schurr für die BernerSommerOperette «Die Fledermaus» choreographiert.

Simon Burkhalter

Simon Burkhalter

Baron Mietek Oginsky

Simon Burkhalter studiert Gesang an der Hochschule der Künste in Bern und ist als Sänger, Schauspieler und Regisseur tätig. Als Preisträger des Förderpreises der Burgergemeinde Bern ist er ein facettenreicher, energiegeladener, begabter Kopf. Burkhalter ist Gründungsmitglied des Vereins BernerSommerOperette und seit 2017 Künstlerischer Leiter der Freilichtspiele Moosegg. Während dreier Jahre leitetet er als Co-Leiter am Gymnasium Kirchenfeld die Theatertruppe. Für Schulen und Amateurbühnen schreibt er Dramatisierungen und ist gern gesehener Regisseur auf den freien Bühnen der Schweiz sowohl im Profi- als auch im Amateurbereich.

www.simon-burkhalter.ch

Rebekka Maeder

Rebekka Maeder

Jadja

Rebekka Maeders klare, zeitlos elegante und dadurch ehrlich und direkte Stimme ist eine echte Bereicherung für jede Produktion. In Bern geboren und aufgewachsen arbeitet sie als freischaffende Opern- und Konzertsängerin im In- und Ausland. Maeder ist an verschiedenen Häusern u.a. in Köln, Darmstadt, Bern und Biel zu hören und macht immer wieder ‘Ausflüge’ an diverse Opern- und Operettenbühnen und Festivals. Zu ihren wichtigsten Partien zählen die Königin der Nacht (Die Zauberflöte), Donna Anna (Don Giovanni), Fiordiligi (Cosi fan tutte), Adina (L’elisir d’amore), Hanna Glawari (Die lustige Witwe) und Rosalinde (Die Fledermaus).

www.rebekka-maeder.ch

Wolf H. Latzel

Wolf H. Latzel

Graf Staschek Zakorsky

Die Bühnenpräsenz von Wolf Latzel ist bemerkenswert; mit Stimme, Charme und Überzeugung füllt er seine Rollen aus und nimmt die Zuhörer flugs für sich ein. So geschehen in Strauss’ «Fledermaus», der zweiten Produktion der BernerSommerOperette im September 2018, in der Latzel die Rolle des Gabriel von Eisenstein sang. Der in Sachsen geborene, in Düsseldorf ausgebildete und nun in Bern lebende Opern- und Konzertsänger hatte unter anderem Engagements an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf, an den Bühnen Wuppertal, am Allee-Theater Hamburg und am Festspielhaus Baden-Baden.
www.wolf-latzel.de

Michael Feyfar

Michael Feyfar

Graf Boleslav Zagorsky

Michael Feyfars volle und klangschöne Stimme erlaubt ihm grosse lyrische Partien; und auch in der Höhe bleibt die Stimme leicht und beweglich. Feyfar wurde in Basel geboren und erhielt in der Knabenkantorei seine erste gesangliche Ausbildung. Sein Weg zum Sänger führte ihn nach Genf, Biel. Karlsruhe und Basel. Seine solistische Tätigkeit hat ihn an die grossen Festivals in ganz Europa gebracht (London, Weimar, München). Ob Lied, Kammermusik oder Opernbühne – Feyfar ist in seinem Element. Von 2013-16 war er Teil des Ensembles vom KonzertTheater Bern, worauf er in der «Opernwelt» zum Nachwuchssänger des Jahres nominiert wurde.
Kathrin Hottiger

Kathrin Hottiger

Arsena

Kathrin Hottiger ist stets auf der Suche nach neuen Farben und Ausdrucksmöglichkeiten ihrer Stimme, welche sie facettenreich einsetzt. Die in Bern aufgewachsene Sopranistin schloss ihre Gesangsausbildung in Luzern mit Auszeichnung ab. Die talentierte Sängerin ist Preisträgerin des Migros-Kulturprozent 2017 und 2018 und gewann 2018 den 3. Preis beim renommierten internationalen Cesti-Wettbewerb für Barockoper in Innsbruck. Als gefragte Opern-, Konzert- und Kammermusiksängerin ist sie im In- und Ausland tätig. 2019 wurde sie zudem für eine Produktion in Moskau (RUS) verpflichtet.

www.kathrinhottiger.ch

Erwin Hurni

Erwin Hurni

Casimir von Kawietzky

Erwin Hurni ist eine wahre Überraschungsbox; er tritt vermeintlich unscheinbar auf und vermag mit seiner Stimme, welche ein breites Repertoire an Ausdruck und Farben aufweist, sein Publikum von Beginn an zu überzeugen. Hurnis Ausbildung zum Sänger fand an der Hochschule der Künste in Bern und am Opernstudio Biel statt. 2006 debütierte er in Locarno. Seine Konzerttätigkeit führte ihn u.a. ins Casino Bern, die Tonhalle Zürich, in die Cityhall von Bangkok und in die St. Georges Church in Auckland. Hin und wieder geniesst er Ausflüge in die Welt des Pops und des Musicals. Der vielseitige Sänger ist auch als Gesangslehrer und Chorleiter tätig.
Javier López Sanz

Javier López Sanz

Konzertmeister

Javier López Sanz ist ein vielfältiger und flexibler Musiker; er wirkt als Geiger und Bratschist in den unterschiedlichsten Formationen – darunter das Berner Symphonieorchester, das Orchestre de la Suisse Romande, das Orchester für alte Musik Les Passions de l’Ame, Camerata Bern und das Orchestre de Chambre Fribourgeois. Seine Studienetappen führten ihn von Salamanca über Berlin bis nach Lausanne und Bern. Während dieser Studienzeit spielte López Sanz als Stimmführer der zweiten Violinen im Europäischen Jugendorchester (EUYO). All diese Erfahrungen haben das Leben und Arbeiten des Musikers nachhaltig geprägt. López Sanz ist seit der ersten Produktion der BernerSommerOperette mit dabei und führt das Orchester seit 2018 als Konzertmeister. Mit dem Musikalischen Leiter, Michael Kreis, arbeitet er regelmässig; sowohl auf modernen als auch auf historischen Instrumenten. 2020 übernahm López Sanz die Leitung des Orchestre National des Jeunesses Musicales Suisse. Zudem unterrichtet er Violine und Viola an der Musikschule Region Gürbetal.

www.onjms

Michael Kreis

Michael Kreis

Leitung

Als Dirigent, Konzertsänger und Gesangslehrer tätig, ist Michael Kreis ein umtriebiger Macher und Umsetzer vielfältiger musikalischer Ideen und Projekte. Unter seiner Leitung entstehen wunderbare Klangwelten; Sänger und Musiker formt er zu strahlenden Klangkörpern. Kreis ist Initiant und Gründungsmitglied der «BernerSommerOperette» und der Mitsingkonzerte «bern-singt.ch» (seit 2013). 2011 übernahm er die Leitung der Chöre «Collegium Vocale Bern» und «Divertimento vocale Freiburg», 2013 den Kirchenchor Bruder Klaus Bern und 2014 gründete er das Projektensemble «Cantemus Heiliggeist». 2018 fand das erste «Aargau-singt» unter seiner Leitung statt.

www.michaelkreis.ch

Besetzung «Die Polnische Hochzeit» der BernerSommerOperette

Conférencier, der durch das Werk führt Martin Schurr
Baron Mietek Oginsky, Gutsbesitzer (Bariton) Simon Burkhalter
Jadja, seine Tochter (Sopran) Rebekka Maeder
Graf Staschek Zakorsky (Bariton) Wolf Latzel
Graf Boleslav Zagorsky, sein Neffe (Tenor) Michael Feyfar
Suza, Gutsverwalterin des Barons (Sopran) Kathrin Hottiger
Casimir von Kawietzky, Gutspraktikant bei Oginsky (Bariton) Erwin Hurni
Chor und Orchester der BernerSommerOperette
Konzertmeister Javier López Sanz
Leitung Michael Kreis

 

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